Meine ersten Tage in Tokyo

Nach dem ich vier Wochen durch Japan gereist bin, hat nun meine Zeit in Tokyo begonnen. Angefangen hat sie mit einem kleinen Schock über das Studentenheim. Diesen habe ich mittlerweile überwunden und geniesse nun mein neues Leben in vollen Zügen.

Die Ankunft in meinem neuen Zuhause hatte ich mir eigentlich etwas angenehmer vorgestellt. Mein Zimmer ist wirklich sehr weit vom Stadtkern entfernt, und somit auch sehr weit von der Uni. Weiter ist das Studentenheim ein nicht sonderlich schöner Ort und mein Zimmer hatte so gut wie keine Einrichtung. Ich war schon drauf und dran, mir eine neue Bleibe zu suchen. Habe mich aber nach einigem Hin und Her auf das Wohnheim eingelassen. Unterdessen habe ich mich an das Pendeln in den Überfüllten U-Bahnen gewöhnt und auch mein Zimmer habe ich gemütlich eingerichtet. Jetzt lässt es sich hier ganz gut wohnen. Und die Miete von umgerechnet 140.00 Fr. ist halt schon sehr, sehr günstig. (Die Mietpreise in Tokyo bewegen sich sonst etwas auf dem Niveau von Zürich.) Ein weitere Pluspunkt des Dorms ist die Umgebung. Hier hat es nämlich viel Grün, sogar einige Pärke, und auch 2 kleinere urbane Zentren sind nicht weit weg. Auch habe ich unterdessen eine gute Joggingroute gefunden. Diese führt durch einen dieser kleinen Parks wo es sogar das eine oder andere Gerät hat, um ein paar Kraftübungen zu machen. Vergleichbar mit einem Vitaprcour in Zürich.

Letzte Woche hat auch mein Leben an der Uni gestartet. Dank meinem Tutorstudenten, der mir bei allen Angelegenheiten rund um die Uni hilft, habe ich die administrativen Prozeduren relativ souverän gemeistert. Mit dem Sprachkurs habe ich begonnen, für die Vorlesungen habe ich mich eingeschrieben und auch meine Arbeit im Lab ist nun mehrheitlich definiert. Die Universität von Tokyo liegt in mitten der Stadt und ist eine Oase der Ruhe. Nicht zuletzt weil es auf dem Campus sehr viel Freiraum und Grün hat. Es gibt sogar einen kleinen Weiher, wo man mehr das Gefühl hat man sei in einem Urwald, als in einer Millionenmetropole. Die Gebäude der Fakultäten erinnern an englische oder auch amerikanische Hochschulen, da sie meist eine Fassade aus Backsteine haben. Zwischen durch finden sich jedoch auch noch modernere Bauten. So zum Beispiel das Haus, worin sich mein Lab befindet. Dabei handelt es sich um ein Konstrukt, auf einer Platform über einer der besagten Backsteinhäuser, trohnt.

Alles in allem kann ich sage, dass ich mein Leben in Tokyo gut gestartet habe. Den anfänglichen Schock habe ich hinter mir gelassen und kann mich nun voll auf mein Studium und das Erkunden von Tokyo konzentrieren. Ich bin gespannt, was ich hier noch alles erleben kann. An der Uni habe ich ein paar sehr spannende, jedoch auch anspruchsvolle Vorlesungen vor mir. Diese werden sicher auch einiges zu tun geben aber bestimmt auch viel spannende Momente bergen. Und ich bin ja auch noch am Japanisch lernen. Das ist auch nicht zu Unterschätzen. Dabei werde ich trotzdem noch viel Zeit damit verbringen, die diversen Ecken von Tokyo zu erkunden.

Meine ersten Tage in Tokyo

Nach dem ich vier Wochen durch Japan gereist bin, hat nun meine Zeit in Tokyo begonnen. Angefangen hat sie mit einem kleinen Schock über das Studentenheim. Diesen habe ich mittlerweile überwunden und geniesse nun mein neues Leben in vollen Zügen.

Hoch hinaus in Osaka

Nach meinem halt im Verschlafenen Mima, hiess mein nächstes Ziel Osaka. Osaka ist Japans drittgrösste Stadt und gilt als Wirtschaftsmotor der Nation.

Mein Abenteuer in Osaka startet eigentlich, bevor ich auch nur in der Nähe der Stadt war. Anders bei der Anreise nach Mima, wollte ich dieses nämlich dieses Mal den Bus nehmen und nicht den Zug. Denn der Bus überquert die riesigen Brücken, welche die Insel Shikoku mit der Hauptinsel Honshu verbindet. So machte ich mich, nach dem ich meine sieben Sachen gepackt hatte, auf den Weg zur Bushaltestelle. Diese Lag am Rand von Mima, direkt neben einer Autobahnausfahrt. Dort angekommen, glaubte ich erst mal nicht, dass ich am richtigen Ort bin. Also schaute ich mich mal in der Umgebung noch ein klein wenig um. Ich musste mir dann aber eingestehen, dass ich durchaus am richtigen Ort bin. Nur war die Bushaltestelle ein winziges Wartehäuschen, wo die Zeittafeln langsam am abfallen waren und ohnehin nur in japanischer Sprache vorhanden waren. Nun versuchte ich also herauszufinden, welchen Bus ich genau nehmen sollte. Dazu frage ich die drei Japanerinnen, die an der Haltestelle ebenfalls zu warten schienen. Zu meinem Unglück konnten diese kein Wort englisch und sie schienen meine Situation nicht ganz zu verstehen. So war ich zwar in der Lage ihnen mitzuteilen, dass ich gerne nach Osaka möchte. Diese wollten aber genau wissen welche Station und so weiter. Das war mir jedoch ziemlich egal, da ich ja nur weg aus diesem Kaff wollte. Sie versuchten dann zwar etwas herauszufinden und lasen eifrig die zerfletterten Fahrpläne, wozu sie angeregt diskutierten. Weiterhelfen konnten sie mir jedoch nicht und irgendwann wurde es mir dann richtig unangenehm, dass die netten Frauen mir versuchten zu helfen, ich aber nicht mit ihnen kommunizieren konnte. Dann endlich fuhr ein Bus ein und ich wollte mich beim Busfahrer nach der besten Verbindung nach Osaka erkundigen. Leider hielt meine Pechsträhne an, denn auch dieser sprach kein Bisschen Englisch. Irgendwie stellte sich dann heraus, dass der Bus nach Osaka fährt. Und obwohl es anfänglich hiess, es habe keinen Platz mehr, durfte ich dann doch einsteigen. Da hatte ich gerade noch einmal Glück gehabt.

Über Osaka hat man mir gesagt, dass da nicht sonderlich viel zu sehen gäbe. Nach meinem Besuch kann ich das bestätigen. Aber eigentlich wählte ich dieses Ziel auch nur darum, weil man von dort prima Tagesausflgüge nach Nara und Himeji machen kann. Aber so ganz und gar ohne ist die Stadt dann doch nicht. Da währen zum Beispiel die vielen Hochhäuser. Denen war ich ja schon vor Japan nicht sonderlich abgeneigt. Hier habe ich aber eine richtige Freude an ihnen entwickelt. Die wohl herausragendsten Hochhäuser von Osaka sind wohl das Umeda Sky Building und der Ubeno Harukas. Auch wenn das Umeda Sky Building nicht das höchste Hochhaus von Osaka ist, so ist seine spezielle Form, die es zu einem ausserordentlichen Bau macht. Es besteht nämlich aus zwei Türmen, die oben durch einen Balken verbunden sind. So formt der Bau ein riesiges Tor, welches eine Höhe von 173 Meter aufweist. Ganz oben auf dem Gebäude befindet sich eine kreisförmige Aussichtsplattform. In deren Mitte befindet sich eine runde Öffnung, was von unten betrachtet besonders schön aussieht. Beim Ubeno Harukas handelt es sich nun aber um das höchste Haus von Osaka. Und nicht nur das, es ist mit seinen exakt 300m gleichzeitig das höchste Haus von Japan. Und natürlich befindet sich auch auf diesem Monument eine Aussichtsplatform. Ach wenn sie architektonisch nicht ganz so verrückt ist, so ist die Aussicht nochmal um einiges gewaltiger, als vom Umeda Sky Building. Und als schöner Zusatz, hat es noch ein Freiluftgartenkaffe, wo man seinen Kaffe schlürfen kann. Für mich ist der Ubeno Harukas ganz bestimmt das Highlight von Osaka.

Doch Osaka hat nicht nur für Hochhausliebende Personen interessante Seite. Osaka ist auch für die Freunde von gutem Essen eine Lohnende Destination. Es gilt nicht um sonst als kulinarische Hochburg von Japan. Ich persönlich habe mir diese Seite von Osaka in Dotonbori und Ebisucho zu Gemüte geführt. In Dotonbori, dieser umtriebigen Gegend neben dem Bahnhof Namba, probierte ich die berühmten osakaer Takoyaki. Das sind kleine Teigbällchen, mit Zwiebeln und sonstigen Kräutern und Gewürzen, in deren mitten ein Stück Tintenfisch eingeschlossen ist. Zubereitet wird das in speziellen Formen, die 16 runde Vertiefungen hat und von einer Gasflamme erhitzt wird. Der Koch, meist in einem Strassenstand, giesst dann den vorbereiteten Teig in diese Vertiefungen und stellt dann unter stetigem Wenden die schmackhaften Kugeln her. Serviert wird die Köstlichkeit mit einer ordentlichen Portion Okonomiyaki-Sauce und einem Haufen Bonitoflocken. Mir hat das Gericht sehr geschmeckt. Ich habe aber auch Leute getroffen, die sich mit der etwas seltsamen Konsistenz der Bällchen (sie hat im Innern etwas von Pudding) nicht haben anfreunden können. In Ebisucho widmete ich mich dann den Kushiage Spiesschen, welche angeblich in Osaka ihren Ursprung haben. Das innere der Spiesschen kann von Fleisch über fisch bis zu Gemüse und Pilzen reichen. Diese werden dann in einen Teig getunkt und frittiert. Als erstes erhielt ich eine Portion mit angeblich besonders gutem Fleisch. Da ich nach den drei Spiesschen noch nicht satt war, bestellte ich mir noch ein paar weitere. Neben her hatte ich eine Schale mit Kohl, die man wie Chips dazu knabbern konnte. Mit diesem gericht konnte ich mich aber nicht anfreunden. So konnte ich keinen Unterschied zwischen dem angeblichen Edelfleisch und dem gewöhnlichen Rind heraus schmecken. Für mich schmeckte alles einfach sehr frittiert. Am besten haben mir eigentlich die Pilze gefallen. Diese, durch das frittieren sehr weich geworden, ergaben mit der knusprigen Hülle eine stimmige Kombination ab. Das Fleisch jedoch war in der Regel zäh und charakterlos.

Hoch hinaus in Osaka

March 23, 2016

Ein verschlafenes Örtchen namens Mima

Mima liegt auf der Insel Shikoku in der Präfektur Tokushima. Es ist ein kleines Städtchen, mitten im Nirgendwo.

Die Lesenden mögen sich jetzt fragen, wieso ich auf meiner Reise an solch einem Ort einen Stopp eingelegt habe. So gibt es doch in Japan viel spannendere Ziele. Das hat zweierlei Gründe. Zum einen wollte ich einfach mal raus aus den Städten von denen hatte ich schon ganz viel gesehen und wenn ich dann mal in Tokyo bin, werde ich sicher noch viel mehr davon bekommen. Zum andern, Wollte ich mal das Landleben von Japan kennen lernen. Und ursprünglich wollte ich auch noch eine kleine Wanderung unternehmen. Leider stellte sich dann heraus, dass mein Ziel ohne Auto nur schwer erreichbar ist. Also lies ich es sein.

Als ich mit dem Zug in Mima angekommen bin, musste ich als erstes eine gute halbe Stunde zu Fuss gehen. Der Weg zog sich auf einer kleinen Anhöhe dem Fluss, an dessen Ufer Mima steht, entlang. Da es aber ein wunder schöner Tag war, machte mir das nichts aus. Ganz im Gegenteil. Eigentlich genoss ich diesen Spaziergang trotz schwerem Gepäck sehr. Und als ich dann mein Ziel erreichte, wusste ich, dass sich die Mühe gänzlich gelohnt hat. Denn meine Unterkunft - wie immer habe ich sie über Airbnb gefunden - war in einem alten, japanischen Haus. Und auch mein Zimmer war ganz und gar im traditionellen Stil eingerichtet.

Und auch mit den Gastgebern hatte ich Glück. Zum Einen konnten die Besitzerin der Unterkunft, es war kein Privathaus sondern ein kleines Hostel, ganz gut Englisch. Zum Andern hatten sie eine Arbeitshilfe, die sogar sehr gut Englisch sprach. Nach kurzem Plaudern fand ich heraus, dass sie eigentlich aus Frankreich stammt, und hier für Kost und Logie arbeitet, um sich ihre Reise durch Japan zu ermöglichen. Gegeben ihrer Herkunft versuchten wir uns auch noch kurz mit einer Konversation auf Französisch. Diese fiel jedoch sehr kurz aus, da meine doch eher bescheidenen Kenntnisse zu allem Übel auch noch eingerostet waren.

Nach dem sie mir das Haus gezeigt hat, zeigte sie mir auch noch den nahe gelegenen Supermarkt. Auf dem Weg dort hin erzählte sie mir, dass die Besitzerin des Hostels heute Geburtstag hat, und am Abend eine kleine Party steigen soll. Kurzerhand lud sie mich dann auch gleich noch zu dieser ein. Nun war ich nicht nur an einem Wunderschönen Ort gelandet, sondern durfte auch noch einer japanischen Geburtstagsparty teilnehmen. Was für ein Glück! Zur Party waren etwas 20 Gäste geladen und sie fand in einem traditionellen japanischen Esszimmer statt. Das bedeutet natürlich auch, dass der Tisch auf Schienbeinhöhe ist und es nur Kissen als Sitzunterlage gab. Am Anfang funktionierte das noch ganz gut, mit der Zeit wurde es dann aber so richtig unbequem. Auf dem Menu stand < Name >. Das ist eine Art Eintopf der auf dem Esstisch zubereitet wird. Die einzelnen Happen, die man sich mit den Essstäbchen aus dem Top fischt, werden dann noch in eine Schale mit rohem Ei gedipt, bevor man sie sich in den Mund schiebt.

Die restlichen Tage in dieser niedlichen Stadt sind schnell erzählt. Nebst dem, dass ich mein angesammeltes Schlafdefizit kompensierte unternahm ich ein paar ausgedehnte Spaziergänge durch die nähere Umgebung, sass viel im einem Kaffee und las Bücher oder vertrieb mir die Zeit mit Kochen. Einzig am letzten Tag unternahm ich noch eine kleine Ausfahrt mit einem Velo. Das Velo lieh ich mir bei der lokalen Touristeninformation aus. Ein unsagbar altes Lotterfahrrad, doch für einen kleine Radtour entlang des Flusses noch knapp tauglich. Leider ging an diesem Tag ein ziemlich starker Wind, und die eigentlich eben Strecke zog sich dann doch noch ein wenig. Da aber das Wetter nicht hätte schöner sein können, liess ich mir meine Stimmung nicht verderben. Und auf dem Rückweg hatte ich dann ja Rückenwind, wodurch ich ruck-zuck wieder in Mina war.

Unterwegs kam ich noch ganz unverhofft an einem Fest vorbei. Ich nehme mal an, dass es ein Frühlingsanfangsfest war, da an diesem Tag der Astronomische Frühlingsanfang war. Teil dieses Fests war eine Zeremonie zum herstellen von Süssigkeiten. Dabei standen vier Männer in einem Kreis um eine steinerne Schale. Nebenan sassen einige Frauen, die japanische Folksmusik spielten. Auf die ersten drei Schläge jedes Takts dieser Musik, schlug jeweils einer der Männer mit einem Grossen Holzhammer in die mit Klebreis gefüllte Schüssel. Beim vierten Schlag griff der verbleibende Mann in Schüssel und wendete den Reis oder benetzte diesen mit Wasser. Durch diese Prozedur verwandelte sich der Reis nach und nach in eine teigartige Masse. Diese wurde nebenan von alten Frauen von Hand zu kleinen Portionen verarbeitet, welche anschliessend den Zuschauern verteilt wurden. Da ich dieser Tätigkeit so interessiert zuschaute, luden sie mich spontan ein, mitzuhelfen. Dieses Angebot lies ich mir natürlich nicht entgehen. Und so kam es, nach dem Geburtstagsfest auch noch an einem Frühlingsfest teilnehmen durfte.

Ein verschlafenes Örtchen namens Mima

March 20, 2016

Miyajima aka Itsukushima

Unweit von Hiroshima befindet sich die Insel Miyajima. Im Volksmund auch Itsukushima genannt, da sich dort ein sehr bedeutender Shintotemple mit selbem Namen befindet. Neben besagtem Sakralbau (und gefühlten weiteren 10'000 Tempel und Tempelchen) findet man auf der Insel sehr, sehr viele Touristen, ein paar wenige Einheimische, eine Armada wilder Rehe und wunderschöne Natur.

Mit dem Vorhaben heute die Insel Miyajima zu erkunden, packte ich am Morgen meinen Rucksack und schnürte mir meine Wanderschuhe um. Nach all den Tagen voller Stadtbesichtigungen, wollte ich nun mal wieder ein Bisschen in die Natur. Nach einem Langen Tramritt und einer kurzen Fährfahrt erreichte ich dann mein Ziel. Schon vom Schiff aus sah ich das Wahrzeichen dieser Insel. Ein roter Torbogen der mitten in einer Bucht steht. Auf Japanisch heissen diese Torii und stehen symbolisch für den Eingang zu einer heiligen Stätte. Meist handelt es sich dabei um Shintoschreine, manchmal sind es aber auch Buddhistische Kultstätten.

Als ich auf der Insel aus dem Hafengebäude trat, hörte ich als erstes eine Durchsage, die vor den "wilden" Rehen warnte. Die Touristen wurden darauf hingewiesen, dass diese Tiere zum Teil aggressives Verhalten an den Tag legen und dass die sie eine Vorliebe für Zugtickets haben. Wahrscheinlich sind bei der Inselverwaltung schon öfters Beschwerden eingegangen, weil so ein Reh einen Japan-Railpass aufgefressen hat. Und tatsächlich konnte ich an der einen oder anderen Stelle Rehe beobachten, die Besucher bedrängten. Meist jedoch hatten diese etwas Essbares in der Hand, das die Rehe unbedingt mit ihnen teilen wollten. Verständlicher Weise hatten da die Touristen nicht so wirklich Freude daran. Ich selber wurde auch einmal von einem solchen Vierbeiner behelligt. Da hatte ich einen leeren Kaffeebecher in der Hand. Diesen überliess ich natürlich nicht ungern dem Reh. Dieses biss dann auch tatsächlich ein Stück des Kartons ab. Es schien ihm aber nicht sonderlich zu schmecken, und es liess auch schon bald wieder von mir ab.

Als erstes klapperte ich auf der Insel die obligatorischen Touristenspots ab. Dies umschliesst neben dem berühmten Torbogen den dazugehörigen Schrein und weitere Heiligtümer. Zum Schrein muss man noch sagen, dass dieser wie der Torbogen auch im Wasser errichtet wurde. Leider war gerade Ebbe und das Meer reichte nicht ganz bis unter den Tempel. Anschliessend wollte ich dem Tourigewimmel etwas entkommen und beschloss auf den höchsten Punkt der Insel zu steigen. Dieser befindet sich auf dem Berg Misen. Anfänglich hatte ich etwas Mühe den Weg zu finden. Als ich ihn aber endlich entdeckte, konnte ich voll und ganz in die Inselbotanik abtauchen. Der Weg zog sich dann langsam einem Flussbett entlang bis auf den Gipfel. Dort erwarteten mich oh Wunder, ein paar weitere Schreine. Und erneut eine Horde Touristen. Denn leider gibt es auch eine Seilbahn auf den Gipfel.

Neben den Schreinen Bot der Berg auch einen wunder schönen Ausblick auf die Bucht von Hiroschima. Als ich mich an dieser satt gesehen hatte, machte ich mich wieder an den Abstieg. Da mir der Aufstieg aber so gut gefallen hatte, nahm ich nicht die Seilbahn, wie ich ursprünglich geplant hatte. Stattdessen marschierte ich auf einem anderen Weg wieder an die Küste hinunter. Dort angekommen erhaschte ich gerade noch das letzte Schnellboot in Richtung Hafen von Hiroschima. Durch die untergehende Sonne erhielt dies Fahrt ihren ganz eigenen Reiz.

Miyajima aka Itsukushima

March 18, 2016

Hiroshima

Auf Rat diverser Leute, legte ich auf meiner Reise durch Japan einen Stopp in Hiroshima ein. Hiroshima ist vor allem für die traurige Geschichte des ersten Atombombenabwurfs der Menschheitsgeschichte bekannt. Sie hat aber auch sonst noch das Eine oder Andere zu bieten.

Wenn man an Hiroshima denkt, muss man zwangsläufig an die gewaltige Katastrophe von 1945 denken. Doch als ich gegen Mittag den Hauptbahnhof von Hiroshima verliess, wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass diese Stadt einmal vollkommen zerstört wurde. Viel mehr bot sich mir ein Bild, wie jede andere Japanische Stadt, die ich bis jetzt besichtigt hatte. Eine wilde Ansammlung von hohen und sehr hohen Bauten, unzählige kleine Restaurants und Shopping-Center um Shopping- Center. Einzig hatte ich das Gefühl, dass die Stadt etwas weitläufiger ist als andere. Es kann aber auch sehr gut nur meine Phantasie gewesen sein, oder die geographische Lage der Stadt.

Hiroshima liegt ganz im Südwesten der der grössten japanischen Hauptinsel Honshu. Die Stadt, welche im 13. Jahrhundert aus der Fusion mehrerer kleiner Orte entstanden ist, wird von zahlreichen Wasserläufen durchzogen. Das lockert Stadtinnere zwangsläufig etwas auf. Darum könnte es auch sein, dass sie darum etwas weniger gedrängt wirkt.

Da ich vom vielen frühen Aufstehen und den vergangenen Tage noch etwas müde war, schlenderte ich am ersten Tag eigentlich nur von Caffe zu Caffe. Dafür ist Hiroshima bestens geeignet, denn im Zentrum gibt es eine gigantische überdachte Ladenpassage. Drin und drumherum gibt es wohl alles, was das Konsumentenherz begehrt. Ich beschränkte mich jedoch auf die vielen Caffes.

Am darauf folgenden Tag machte ich mich dann auf, um den Rest der Stadt zu erkunden. Zu Fuss machte ich mich auf zum Shukkei-en, einem Garten, der eine chinesische Landschaft als Miniatur abbildet. Der perfekte Start für meinen Tag, da das Wetter für einmal richtig gut war. Der Garten hat mir sehr gefallen, ich bin aber auch generell ein grosser Anhänger von botanischen und sonstigen Gärten. Ich finde, dort herrscht immer so eine angenehm lockere Stimmung. Und für das Gemüt gibt es jede menge floristische Nahrung. Leider war diese wegen des noch sehr jungen Frühlings noch nicht so üppig, wie sie hätte sein können. Doch der eine oder andere Baum stand zum Glück schon in voller Blüte.

Weiter ging es zur Burg von Hiroshima. Diesem wunderschöne Bau in mitten der Stadt, der zu einem Museum umfunktioniert wurde. Die Ausstellung im Museum war jedoch ziemlich langweilig. Das Highlight war da noch der Samurai Hut, mit dem man sich photographieren konnte. Aber um die Ausstellung ging es mir in erster Linie auch gar nicht. Die eigentlichen Highlights sind der Bau annen für sich und die Aussicht vom obersten Stockwerk. Und für beides hat sich der Ausflug sehr gelohnt.

Nach der Burg wendete ich mich dem düsteren Teil Hiroshimas Geschichte zu. Unweit der Burg liegt nämlich das Peacmemorial, welches unter dem Epizentrum der A-Bombenexplosion errichtet wurde. Dem Museum auf dem Gelände konnte ich nicht viel abgewinnen. Zum einen war es völlig überfüllt und zum anderen hatte ich vergleichbares schon in Nagasaki gesehen. Da der Eintritt aber nicht der Rede wert war, hatte ich nicht viel verloren. Um so eindrücklicher fand ich jedoch den Atombomben-Dom. Dabei handelt es sich um 1915 errichtetes Gebäude, welches wenige Meter vom Einschlagsort der Bombe steht. Seinen Namen hat es von der prägnanten Kuppel, die die Mitte des Gebäudes ziert. Das Erstaunliche an diesem Bau jedoch ist, dass es vom atomare Inferno nicht in gänzlich in Schutt und Asche gelegt wurde, wie das bei allen umstehenden Bauten der Fall war. Auf wundersame Weise blieben Teile des Mauerwerks und das Gerippe der Kuppel stehen. Die Ruinen dieses Baus kann man noch heute bestaunen und sie geben einem eine wage Vorstellung, wie es hier nach der Katastrophe ausgesehen hat.

Am Abend suchte ich auf Rat meines Lonlyplanets ein Restaurant auf, das auf Okonomiyaki spezialisiert ist. Als ich jedoch die Karte studierte und sah, dass es hier auch fein gescheibelte Rindszunge zu essen gibt, musst ich als erstes diese kosten. Ein gute Entscheidung. Leider reichte es nicht wirklich, meinen Bauch zu füllen. So bestellte ich dann noch eine halbe Portion Okonomiyaki. Auch dieses Gericht schmeckte mir vorzüglich.

Hiroshima

March 16, 2016

Nagasaki

Nagasaki, die geschichtsträchtige Stadt in Japans Süden. Nicht nur kam hier Der Westen das erste Mal direkt mit der japanischen Kultur in Kontakt. Auch zeigte sich der mit dem Abwurf einer Atombombenabwurf, zu was für Gräueltaten die Menschheit fähig ist.

Früh Morgens in Fukuoka aufgebrochen, fuhr mein Zug um 11 Uhr im Bahnhof von Nagasaki ein. Das erst was mir auffiel, als ich aus dem Bahnhof trat, waren die Trams. Bis jetzt hatte jede Stadt ein ausgebautes U-Bahnnetz, und über der Erde verkehrten wenn, nur Busse. Und dann waren es auch noch alte, klapprige Trams. Fast ein wenig beruhigend, das in diesem Land nicht alles völlig High-Tech ist.

Nagasaki liegt auf einer Landzunge an Japan's Westküste, ganz weit im Süden unten. Hier war es, wo die Europäer, in Form der Portugiesen, das erste Mal auf Japanischem Boden landeten. Während langer Zeit war es dann auch der einzige Hafen, wo es Europäern und sonstigen Westlern überhaupt erlaubt war, mit den Japanern in Kontakt zu treten. Dieser Einfluss ist noch heute Sichtbar.

Als erstes schlenderte ich vom Bahnhof dem Meer entlang zum Glover's Viertel. Den Überbleibseln der in der Mitte des 19. Jahrhunderts vom schottischen Industriellen Thomas Blake Glover Errichtete Siedlung. Dort angekommen erblickte ich als erstes die katholische Oura-Kirche. Von dort ging es weiter zum Golver's Garten. Dabei handelt es sich um die zum Museum umgewandelten Überreste der besagten Siedlung. Sie besteht aus Zahlreichen Bungalows, die sich idyllisches an den Berghang schmiegen und einem eine wunderbare Aussicht auf die Bucht von Nagasaki gewähren. Da die meisten der Häuschen mit Original Möbel und Gegenstände ausstaffiert sind, fühlt man sich zeitweise um 150 Jahre zurückversetzt.

Weiter ging es in Nagasaki's China Town. Da Nagasaki sehr nahe am asiatischen Festland liegt, ist hier auch der Chinesische Einfluss stark ausgeprägt. Dort verköstige mich schnell mit ein paar Teigtaschen und ein paar Tassen warmen Tees. So richtig Gefallen fand ich aber an dieser Gegend nicht. Schliesslich will ich in Japan lieber die Japanische Kultur erkunden. Da dann auch noch langsam anfing zu Regnen setze ich mich in eines der alten Klappertrams und weiter ging es.

Meine nächste uns letzte Station war die Gedenkstätte für die Opfer der am 8.7.1945 auf Nagasaki abgeworfene Atombombe. Diese besteht aus mehreren Mahnmalen, einer Gedenkstätten und einem Museum. Anfangs dachte ich, dass mich die ganze Angelegenheit nicht so mitnehmen würde. Aus dem Schulunterricht wusste ich ja schliesslich, was die zwei Atombomben angerichtet hatten. Als ich dann aber am Ort des Geschehens war, musst ich mir eingestehen, dass dem nicht so ist. Nun bekamen die bisher abstrakten Dimensionen der Zerstörungskraft einer Atombombe, plötzlich ein reales Gesicht. Ich konnte mir plötzlich räumlich vorstellen, wie gigantisch die Ausmasse der hervorgerufenen Zerstörung waren. Durch die Ausstellung wurde mir das Ausmass menschlichen Leides so richtig bewusst. Zum einen waren da die Vielen Toten. Zum andern waren da aber auch die Überlebenden, die an der Verstrahlung ein Leben lang litten und all die Hinterbliebenen, deren gesamte Existenz von einem Tag auf den anderen ausgelöscht wurde. Da passt der graue Himmel und Dauerregen plötzlich ausgezeichnet zu meinem Gemütszustand.

Nagasaki

March 14, 2016

Fukuoka

Eigentlich wollte ich meine Reise in Nagasaki beginnen. Auf dem Flug nach Japan, habe ich aber in einem Heftchen einen Bericht über Fukuoka gelesen, worin von haufenweise kleinen Essensständen entlang eines Flusses die Rede war. Darauf hin habe ich mich kurzerhand für Fukuoka umentschieden.

Fukuoka liegt auf Kyushu, der südlichsten der japanischen Hauptinseln. Die Stadt gilt historisch gesehen als Japans Verbindung zum asiatischen Festland. So fand der Buddhismus und die Teezeromonie hier seinen Weg von China nach Japan. Auch versuchten hier die Mongolen 2x in Japan zu einzufallen. Beide Male jedoch endete der Versuch in einer Niederlage. Heute ist Fukuoka der Hauptort von Kyushu, eine wichtige Wirtschaftsmetropole und mit 1.4 Mio Einwohnern Japans viert grösste Stadt.

Untergekommen bin ich in dieser schönen Stadt bei der Familie Nara. Ein Junges Pärchen mit 2 kleinen Kindern. Nach dem sie mich vom Bahnhof abgeholt hatten, durfte ich als erstes mit ihnen zu Abend essen. Es gab ein klassisches japanisches Wintergericht namens Oden. Einem wässrigen Fischeintopf mit diversen Einlagen. Danach zeigten sie mir mein Zimmer. Dieses war sehr Bunt eingerichtet - jede Wand war mit einer anderen Farbe oder Musterung versehen und selbes galt für die Möbel - und mit einem traditionellen Futon ausgestattet. Da es hier nach wie vor eher kalt ist, stellten sie mir noch einen Futon wärmer ins Zimmer. Das ist ein Gebläse, welches man für 15 Minuten in sein Bett legen kann, damit es dann beim einschlafen kuschelig vorgewärmt ist und man nicht frieren muss. Eine grossartige Erfindung.

Als Erstes besichtigte ich die diversen Tempe von Fukuoka. Einer davon gilt als älteste buddhistische Kultstätte von ganz Japan. Nach der Überdosis traditioneller japanischer Kultur, brauchte ich nun eine Abwechslung. So schlenderte ich weiter in ein Elektronikkaufhaus, wo ich mich erst mal verköstigte. Anschliessend besuchte ich die im Konsumtempel integrierte Spielhalle. Kaum betreten wurde ich von blinkenden Lichtern, 1000 verschiedenen Piepgeräuschen und hochkonzentrierter japanischer Niedlichkeit fast erschlagen. Ich hielt aber tapfer durch und erkundete die ganze Spielhölle. Ein Ausführlicher Bericht über den Wahnsinn japanischer Spielhallen würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Ich habe mir aber fest vorgenommen, das später einmal nachzuholen.

Weiter ging es in der "Canal City", einem architektonisch sehr interessanten Shoppingcenter. Der ganze Bau ist entlang eines künstlichen Flüsschens errichtet. Dieses Schneidet das Gebäude von oben bis unten in zwei Hälften. Die so entstandenen Schnittflächen im innern des Gebäudes bilden dann eine Galerie und sind mit ihrer gewölbten Form äusserst schön anzusehen. Als nächstes marschierte ich dann in Richtung Tenjin Viertel. Auch wenn dieses nicht explizit ein ein Shoppingcenter ist, war die Ladendichte mit Nichten kleiner, als am vorherigen Ort. Ich frage mich langsam, ob die Japaner ausser Shopping auch noch andere Hobbies haben. Zum guten Schluss liess ich mich dann auch noch zu einem kauf hinreissen. In einem kleinen Laden, im Hippsterteil von Tenjin kaufte ich mir eine Mütze. Diese stellte sich aber in den kommenden Tagen als lohnende Investition aus. Langsam neigte sich der Tag dem Abend zu und ich verschob mich zu den Yatei, den besagten Essensstände.

Nach dem ich die Qual der Wahl hatte, entschied ich mich doch noch für eine Buden. Ich suchte mir einen freien Hocker und begutachtete erst mal das Angebot. Neben dem mir bereits bekannten Oden gab es hauptsächlich Yakitori. So heissen die Japanischen Fleischspiesschen, welche aus ganz unterschiedlichen Fleischsorten bestehen können. Neugierig wie ich bin, entschied ich mich erstmal für jene Spiesschenart, bei der ich nicht so recht wusste, aus was sie bestehen. Während ich auf mein Essen wartete, bestellte ich mir ein Bier und fing an, mit meinem Sitznachbar zu plaudern. Es stellte sich heraus, dass dieser ein gebürtiger Japaner ist, mittlerweile aber in Australien als Koch arbeitet. Als dann endlich mein Essen kam, nahm es mich doch noch wunder, was genau ich da bestellt hatte. Also fragte ich meine neue Bekanntschaft. Es stellte sich heraus dass mein Spiesschen aus Magen, Leber und sonstigen Rindsinnereien bestand. Nun war meine Neugier vollends geweckt und ich biss herzhaft in mein Abendessen. Und ja, es war äusserst lecker.

Am nächsten Tag schaute ich mir noch den Rest von Fukuoka an. Besonders nennenswert ist da vor allem die historische Burgruine mit angrenzendem Park und der Küstenpromenade. An letzterer befindet sich auch der Fukuoka Tower mit seiner auf gut 120m gelegenen Aussichtsplattform, die einem einen wunderschönen Blick auf die Stadt und die ihr vorgelagerten Küste gewährt.

Fukuoka

March 12, 2016

Hallo Japan, Hallo Tokyo

Seit 2 Tagen bin ich jetzt in Japan. Vom ersten Kulturschock habe ich mich mittlerweile erholt und auch an den chaotisch und hektischen U-Bahnverkehr gewöhne ich mich langsam. Aber nun einmal der Reihe nach.

Am letzten Dienstag um ca. 11 habe ich das erste Mal japanischen Boden unter meinen Füssen gehabt. Dann bin ich nämlich am Flughafen Narita aus der Finnair Maschine gestiegen. Als erstes staunte ich ein wenig. Von der erwartete Hektik und dem Menschengewimmel war keine Spur zu sehen. Ganz im Gegenteil. Während dem Weg zur Passkontrolle herrschte eine andächtige Stille in den fast Menschenleeren Katakomben des Flughafens.

Bei der Passkontrolle angekommen, konnte ich mein Studentenvisum reibungslos gegen eine Citizen ID eintauschen. Wenige Minuten später hatte ich auch schon mein Gepäck geschnappt und den Transferbereich verlassen. Als Erstes machte ich mich nun auf die Suche nach einer Bleibe für die ersten 2 Tage in Tokyo. Innert Kürze fand ich via Airbnb eine Unterkunft, ganz in der Nähe von Shinjuku. Schwer beladen mit einem Koffer und zwei Rucksäcken machte ich mich also auf den Weg zum Transferzug. Denn der Flughafen Narita liegt gut 80km von von Tokyos Stadtzentrum entfernt. Dabei wurde mir das erste Mal so richtig bewusst, dass ich nun in einem Land bin, wo ich nicht nur die Sprache, sondern auch die Schrift nicht verstehe. Denn obwohl es überall Schilder und Navigationshilfen hatte - für meinen Geschmack sogar etwas zu viele - konnte ich nicht herausfinden, welchen Zug ich jetzt genau nehmen muss . Mit einer kurzen Recherche im Internet wurde ich jedoch fündig. Wenige Minuten später sass ich im Zug Richtung Tokyo, meiner neuen temporären Heimatstadt.

Kaum aus dem Zug ausgestiegen, kam ich dann endlich auf meine Rechnung. Durch den den Hauptbahnahnhof von Tokyo zog sich ein nie abreissender Strom von Menschen. Alle sehr eilig und zielstrebig unterwegs von A nach B. Ich hingegen musste die Sache etwas ruhiger angehen. Beladen mit meiner ganzen Bagage und keinerlei Orientierung in diesem unterirdischen Tunnelsystem, verhielt ich mich wie ein schwerfälliges Mammut auf der suche nach einem Platz zum ruhen. Nach gut eineinhalb Stunden umherirren war mein knurrender Magen dann gefüllt und ich hatte ein Ticket für die U-Bahn in der Tasche. Dabei stellte sich heraus, dass in der Umgebung des Hauptbahnhofes einfach alles unterhöhlt ist. Da kann man unterirdisch von einer Station zur anderen laufen. Dabei durchquert man Kaufhäuser, Konferenzzentern und Business Hochhäuser. Man bekommt richtig das Gefühl, es gebe hier eine ganze Stadt unter der Stadt.

In Shinjuku angekommen musste ich feststellen, dass diese Station dem Hauptbahnhof in Bezug auf Menschenmassen in nichts nachsteht. Und zu allem Unglück, brach auch noch langsam aber stetig die Rushhour an. Da kam mir auf einmal das Wort "Dichtestress" in den Sinn und ich musste ein wenig in mich hineinlachen. Wenn gewisse Leute in der Schweiz ab unsere vergleichsweise geruhsamen Pendlerströme schon überfordert sind, wie würden sie eine solche Situation überleben? Nach einiger Zeit des Umherirrens - ich bin etwa 4 Mal zum falschen Gleis marschiert - fand ich dann endlich den richtigen Zug. Endlich in meinem Zimmer angekommen fiel ich todmüde in mein Bett und schlief bis am nächsten Morgen durch.

Am darauffolgenden Morgen brachte ich dann einen Teil meines Gepäcks zu meinem Bekannten Nico. Das persönliche Stresslevel in der U-Bahn lag dieses Mal weit unter dem vom Vortag. So wusste ich jetzt wenigstens ungefähr wie der Hase läuft. Nichts desto trotzt habe ich mich einmal verfahren und 5 Mal verlaufen. Den Rest des Tages verbrachten wir dann gemeinsam, in dem wir die Quartiere Akihabara und Ginza ein wenig auskundschafteten. Da ich aber noch etwas unter dem langen Flug litt, beschlossen wir den Abend recht früh.

Nun sitze ich im Shinkansen Richtung Fukuoka. Den Weg von meiner Unterkunft zum Zug habe ich schon fast wie ein Profi gemeistert. Kein einziges Mal habe ich mich verfahren oder verlaufen. Auch der Bahnticketkauf hat reibungslos geklappt. Einzig das Navigieren zum richtigen Gleis hat mir noch ein wenig Mühe bereitet.

Hallo Japan, Hallo Tokyo

March 10, 2016